Es wird Zeit, mal kurz meine Empfindungen des gestrigen Tages in Nullen und Einsen zu fassen. Dies an erster Stelle: Ich bin sehr erleichtert, dass jeder, den ich kenne und der vor Ort war, heil da rausgekommen ist. Den ganzen Abend war ich dran, unser Team von center.tv Ruhr telefonisch zu erreichen, da ich wusste, dass beide Reporter zur Unglückszeit in der Nähe waren.
Dennoch: Die Trauer ob der Todesfälle und der Verletzten sitzt tief. Vor allem, weil, wie man den Schilderungen bspw. via Twitter entnehmen konnte, sich das Unglück angekündigt hat. Dies war auch in einigen Communities in den vergangenen Tagen zu lesen.
Überhaupt, Twitter: Es war, wie auch Tage zuvor beim Brand in der Schadowstrasse in Düsseldorf, die schnellste Nachrichtenquelle. Bilder und Videos waren hier rasch verfügbar, so dass sich jeder selbst einen Eindruck über die Situation vor Ort machen konnte. Ähnliches war bei Facebook zu beobachten. In der Sache fand ich es übrigens vorbildlich, wie n-tv in der Sendung damit umgegangen ist. Meiner Meinung nach ist der Blick in Richtung Social Media und Blogs für eine differenzierte Berichterstattung ebenso unverzichtbar, gerade in Verbindung mit der "klassischen" Befragung der Protagonisten.
Stets war auch der Pottblog eine stets zuverlässige Anlaufstelle (
www.pottblog.de sowie
www.twitter.com/pottblog). Jens hat vieles getan, um aktuelle Informationen liefern und aggregieren zu können, dazu war er immer für einen schnellen Austausch via Twitter zu erreichen. Besser geht's nicht.
Was bleibt, ist die Spannung, was in den kommenden Tagen passieren wird. Der gesunde Menschenverstand sagt, dass der ein oder andere Posten frei werden wird. Zwar darf OB Adolf Sauerland anführen, dass die Sicherheitsmaßnahmen stichhaltig waren (wer weiß, ob sonst nicht mehr Opfer zu beklagen gewesen wären). Nur ist dies immer noch blanker Hohn angesichts von 19 Toten und über 340 Verletzten. Dass die Besucherzahl von 1,4 Millionen, die gestern stolz verkündet wurden, heute bei der Pressekonferenz drastisch nach unten korrigiert und in den Bereich der Unschärfe verlagert wurde, stößt ebenfalls übel auf. Zur Rolle der Polizei gibt es ebenfalls widersprüchliche Angaben. Und, wie auf Twitter und im Web zu lesen war: Es gab im Vorfeld durchaus Zweifel am Konzept, so, wie es durchgeführt wurde (
http://bit.ly/9iZK6s). Bessere Modelle sind wohl aus Kostengründen verworfen worden (
http://www.rp-online.de/niederrheinnord/duisburg/loveparade/Schreckenberg-kri.... Insbesondere der einzige Eingang durch den Tunnel wird scharf kritisiert (
http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/fischblog/verhaltensforschung/2010-07-2....
Eine Woche zuvor durfte sich das Ruhrgebiet beim Still-Leben auf der A40 auf der Sonnenseite wähnen. Nun ist es die dunkle Seite des Mondes, die eines lehrt: Derartige Großveranstaltungen sind kein Selbstläufer, wenn es um die Sicherheit der Menschen geht. Ihre Unversehrtheit, ihr Leben ist mit keiner Kostenrechnung der Welt aufzuwiegen.